Zum Hauptinhalt springen

MitteilungVeröffentlicht am 10. Juli 2026

Bezahlbarer Wohnraum als Schlüssel für nachhaltige Städte

Das diesjährige Hochrangige Politische Forum für nachhaltige Entwicklung (HLPF) der Vereinten Nationen widmete sich unter anderem dem Nachhaltigkeitsziel 11 (SDG 11) «Nachhaltige Städte und Gemeinden». Angesichts der fortschreitenden Urbanisierung gewinnt dieses Thema weltweit an Bedeutung: Bereits heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Damit konzentrieren sich dort sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen für eine nachhaltige Entwicklung, was die Schweiz an einem Anlass in New York thematisierte.

Konferenzsaal mit Teilnehmenden an halbkreisförmigen Tischen. Vorne Personen mit Kopfhörern an Laptops, hinten Panelisten vor Mikrofonen. Dolmetscherkabinen mit Sprachbeschriftungen im Hintergrund.

Ein zentrales Anliegen von SDG 11 ist der Zugang zu sicherem und bezahlbarem Wohnraum. Während weltweit weiterhin über eine Milliarde Menschen in informellen Siedlungen lebt, wird Wohnraum auch in vielen wohlhabenden Ländern zunehmend unerschwinglich. Dies verschärft soziale Ungleichheiten und begünstigt eine wenig nachhaltige Ausdehnung der Siedlungsgebiete.

Vor diesem Hintergrund organisierte die Schweiz in Zusammenarbeit mit Brasilien im Rahmen des HLPF gemeinsam eine Veranstaltung mit dem Titel «Scaling affordable and sustainable housing in a rapidly urbanizing world». Es wurden Erfahrungswerte ausgetauscht und innovative Lösungsansätze für bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum in Ländern mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen diskutiert. Beide Länder präsentierten am diesjährigen HLPF zudem ihre Länderberichte (Voluntary National Reviews, VNRs), welche die Fortschritte bei der Umsetzung der Agenda 2030 aufzeigen.

Die Berichte verdeutlichen, dass der Wohnungssektor in beiden Ländern vor grossen Herausforderungen steht – wenn auch unter unterschiedlichen Vorzeichen. In Brasilien konnte der Anteil der städtischen Bevölkerung, der in informellen Siedlungen oder unzureichenden Wohnverhältnissen lebt, zwar von von 39 auf 31 Prozent (2010-2022) gesenkt werden. Dennoch reicht das derzeitige Fortschrittstempo nicht aus, um bis 2030 allen Menschen angemessenen Wohnraum zu ermöglichen. In der Schweiz hingegen wird bezahlbarer Wohnraum zunehmend zur Herausforderung. Besonders in städtischen Zentren und Tourismusregionen steigt der Druck auf den Wohnungsmarkt, wobei Haushalte mit tiefen und mittleren Einkommen besonders von steigenden Mietpreisen betroffen sind. Gemäss den Wohnungsindikatoren des Bundes gilt eine Mietbelastung von mehr als 25 Prozent des Bruttoeinkommens bei Haushalten mit tiefem Einkommen als kritisch.

Sieben Personen am halbkreisförmigen Tisch. Namensschilder vor ihnen. Dolmetscherkabinen im Hintergrund.

Die Diskussion machte deutlich, dass nachhaltige Wohnungspolitik nur im Zusammenspiel aller Staatsebenen gelingen kann. Vertreterinnen und Vertreter nationaler Regierungen sowie von Städten tauschten sich darüber aus, wie eine solche wirksam gelingen kann und welche innovativen Ansätze bereits erfolgreich umgesetzt werden.

Daniel Dubas, Delegierter des Bundesrates für die Agenda 2030, betonte die zentrale Rolle der Städte bei der Umsetzung der Agenda 2030: «Städte sind wichtige Innovationslabore für nachhaltige Energieversorgung, klimafreundliche Mobilität, Kreislaufwirtschaft, Klimaanpassung sowie soziale Integration. Dies ist umso wichtiger, da rund drei Viertel der Schweizer Bevölkerung in urbanen Räumen leben. Der Bund unterstützt die Kantone und Gemeinden über eine koordinierte Raum- und Verkehrspolitik sowie über den 2024 lancierten nationalen Aktionsplan gegen die Wohnungsknappheit. Auch haben wir dieses Jahr das Raumkonzept Schweiz aktualisiert und stärken damit die nachhaltige Entwicklung der Städte und Agglomerationen.»

Daniel Dubas mit Brille und dunklem Anzug spricht an einem Konferenztisch. Vor ihm ein Namensschild mit „DANIEL DUBAS“. Er gestikuliert mit beiden Händen. Rotes Lanyard.

Gemäss Lavito Bacarissa, Exekutivsekretär der Nationalen Kommission für die SDGs (CNODS) und Generalsekretär der Präsidentschaft der Republik Brasilien sei es wichtig, Lösungsansätze einerseits auf die jeweiligen lokalen Gegebenheiten anzupassen und andererseits die Städte gezielt in der Umsetzung zu unterstüzen.

Die Städtevertreter teilten diese Einschätzungen. «Mit dem Projekt Basel baut Zukunft setzen wir ganz konkret Massnahmen um, die in Zusammenarbeit mit Investoren und Bevölkerung die Herausforderungen der städtischen Wohnungspolitik angeht. Solche Initiativen sind notwendig, um langfristig günstigen Wohnraum zu sichern», erläuterte Conradin Cramer, Regierungspräsident von Basel-Stadt. Gleichzeitig ging Ildo Gusmão, Bürgermeister von Francisco Morato am Rande von São Paulo in Brasilien, auf die Situation in besonders gefährdeten Gebieten ein und erläuterte, wie die Stadt mittels Geodaten Risikogebiete identifiziert und konkrete Schutzmassnahmen für gefährdete Siedlungen umsetzt.

Conradin Cramer mit Brille und Anzug spricht und gestikuliert an einem Konferenztisch. Vor ihm ein Namensschild. Im Hintergrund eine Dolmetscherkabine.

Immer mehr subnationale Behörden veröffentlichen freiwillige lokale Berichte (Voluntary Local Reviews, VLRs) zur Umsetzung der Agenda 2030 und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Realisierung der SDGs auf lokaler Ebene. In der Schweiz haben die Sädte Genf, Bern und Basel sowie der Kanton Aargau solche VLR erstellt.

Zum Abschluss der Veranstaltung bestand Einigkeit darüber, dass bezahlbarer Wohnraum eine zentrale Voraussetzung für inklusive, resiliente und nachhaltige Städte ist. Die Herausforderungen unterscheiden sich zwar von Land zu Land, doch viele Lösungsansätze sind bereits vorhanden. Entscheidend ist nun, erfolgreiche Modelle zu skalieren, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Staatsebenen weiter zu stärken und nachhaltige Stadtentwicklung als gemeinsame Aufgabe von aller Staatsebenen voranzutreiben. Die gemischte Delegation in New York mit Bundes- und Städtevertreterinnen und -vertreter hat in diesem Sinne zum Dialog und der Zusammenarbeit beigetragen.

Kontakt

Agenda 2030
Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA
Abteilung Wohlstand und Nachhaltigkeit